Gedanken zum Tag

21.11.2020 (Sa)

Mensch-ärgere-dich-nicht -

haben Sie das als Kind auch so oft gespielt? Oder mit Ihren Kindern, oder Enkeln...?

Ich habe es als Kind geliebt. Auch wenn ich ziemlich oft verloren habe; manchmal erst ganz zum Schluss - auf der Zielgeraden, sozusagen - wenn ich schon ganz sicher gewesen bin: Gleich habe ich alle meine Figuren als erster drin. Noch ein Zug, und ich hab gewonnen... Und dann das: Wirft mich doch im allerletzten Augenblick noch einer raus! Einfach zum Kaputtärgern.

Aber nein: Natürlich nicht zum Kaputtärgern.

Denn gerade deshalb heißt das Spiel ja „Mensch ärgere dich nicht“! - Weil vorauszusehen ist, dass man sich in jedem Spiel aufs Neue ärgern wird.
Wer sich auf das Spiel einlässt, muss damit klarkommen, dass man immer wieder am Gewinnen gehindert wird. Und gelassen hinnehmen, dass die anderen Mitspieler mit unverhohlener Schadenfreude an einem vorbeiziehen. Sonst hat man keine Freude an dem Spiel.

Das Interessante dabei ist: Auch wenn es nur ein Spiel ist - der Ehrgeiz, erster sein zu wollen, stellt sich immer wieder aufs Neue ein. Ich muss also ständig an mir arbeiten, um das Spiel auszuhalten. Und um ein guter Verlierer zu sein. – Da kann man natürlich fragen: Und wozu soll das gut sein?

Ich finde, es ist eine geniale Übung. Mit dem Gewinnen klarzukommen ist ja keine Kunst. Gewinnen ist ja schon eine Belohnung für sich. Aber gut verlieren zu können, das ist die Kunst. Nicht nur am Spielbrett, sondern auch sonst im Leben.

Mein Alltag besteht ja eben nicht nur aus strahlenden Erfolgen. Im Gegenteil: Ständig muss ich mich mit größeren und kleineren Niederlagen herumschlagen. Das beginnt meist schon am frühen Morgen; schon auf dem Weg zur Arbeit werde ich ständig von irgendwem ausgebremst und an einem ungestörten Vorwärtskommen gehindert. Und so geht das manchmal den ganzen Tag.

Wie damit klarkommen? Mensch, ärgere dich nicht! Würde es nicht unglaublich guttun, diesen ganzen alltäglichen Mist gelassener anzugehen?

Klar, das ist viel leichter gesagt, als getan.

Aber einmal tief durchatmen und laut zu sich selber sagen: „Mensch, ärgere dich nicht!“: Das hilft. Wirklich!

Ihr Volker Schmidt

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