Andachten zum Monatsspruch

Oktober 2023

Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst.

Jak 1,22 (L)

„Tatort“ mal anders

Der „Tatort“ ist ein wichtiger Termin am Sonntagabend. Immer noch. Trotz Streamingdiensten und YouTube. Der Tatort ist am Sonntagabend, und es ist klar, was da passiert. Es gibt eine schlimme Tat, die muss aufgeklärt werden. Der Täter muss gefunden und gestellt werden. Täter – das klingt gefährlich. Nicht nur im Tatort.
Bei Täter denken wir an Verbrechen, an unheilvolle Verstrickungen, an Konflikte und Kriege. Wir denken wahrscheinlich nicht an jemanden, der auf dem Weg ist, um etwas Gutes zu tun.
Warum ist das so? Warum denken wir bei „Täter“ automatisch an jemanden, der Böses tut?
Vielleicht deshalb, weil bei menschlichem Tun so schnell Böses herauskommt?
Auch aus gut gemeinten Taten werden leicht Missverständnisse, sie gehen schief, es geschehen Fehler, Menschen werden verletzt.

Vielleicht sind wir ja selbst in unserem Leben für Taten kritisiert worden, die als etwas Gutes gedacht waren. Und so kann es geschehen, dass bei dem, was wir eigentlich gern tun wollen, die Fragen sich in den Vordergrund schieben: Ist das nicht übergriffig? Wie sehen das die anderen? Ist meine Hilfe überhaupt gewollt?

Und da verstehe ich den Rat des Jakobus, „seid Täter des Wortes“ als eine Ermutigung. Vielleicht war es auch in den ersten christlichen Gemeinden so, dass das „ob“ und „wenn“ und „wie“ langsam aufkam. Dass die Aufbruchsstimmung des Anfangs verlorengegangen war, und die vielen Fragen den Weg zum Tun blockierten, die Ängste die Menschen in der vermeintlichen Sicherheit des Stehenbleibens hielten.

Jakobus stellt dagegen die ausdrückliche Aufforderung zur Tat. Nicht als blinden Aktionismus und nicht als gequälte Pflichterfüllung. Sondern als mutiges Losgehen, im Vertrauen auf den Gott, der mitgeht. Auch wenn die Fragezeichen und die „Vielleichts“ bleiben.

Letztendlich ist auch die Tat, die Tat der Nächstenliebe, der Grenzüberschreitung, der Einladung ein Schritt des Vertrauens. Wer etwas tut, der wird schneller angreifbar als der, der wie Jakobus sagt, „Hörer“ bleibt. Darum braucht es in allem Tun das Vertrauen auf den Gott, der zu mir steht, das Vertrauen, dass ich auch Fehler machen darf. So kann der Weg zur Tat auch ein persönlich befreiender Weg werden.
Auf diesem Weg finden wir dann vielleicht tatsächlich auch in unserer Nähe den einen oder anderen

„Tatort“ – nicht als Ort eines Verbrechens, sondern als Ort einer befreienden Tat, einer guten Begegnung, eines freundlichen Wortes. Diese Tatorte können auch ganz unscheinbar sein.
Ich wünsche uns gute und gesegnete Tatorte!

Ihre Pfarrerin Christiane Zina

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