Andachten zum Monatsspruch

Januar 2024

Junger Wein gehört in neue Schläuche

(Mk 2,22)

Gute Vorsätze gibt es viele, das neue Jahr beginnt tugendhaft: Mehr Sport, weniger Rauchen, mehr Freundlichkeit, weniger Bildschirmzeit, mehr Dankbarkeit, weniger Vorurteile, mehr Beten, weniger Essen – manch einer plant zu fasten am Anfang des neuen Jahres, ob aus spirituellen oder gesundheitlichen oder kosmetischen Gründen.

Jesus fastet nicht. Und das stößt anderen sauer auf. „Warum fasten die Pharisäer und die Jünger des Johannes, du und deine Anhänger aber nicht?“, wird er gefragt (Markus 2,18). Und Jesus antwortet sinngemäß: „Warum sollte ich? Ich habe eine andere Botschaft, darum brauche ich auch andere Formen der Verkündigung und Spiritualität: Junger Wein gehört in neue Schläuche.“

Vielleicht scheitern gute Vorsätze zum Neuen Jahr oft daran, dass uns bemühen – um im Bilde zu bleiben – neuen Wein in alte Schläuche zu füllen. Junger Wein hat noch Kohlensäure, sprudelt noch, gärt noch, und kann schon leicht spröde gewordene Gefäße zerreißen. Und so ist es auch mit unseren Vorsätzen: Wir wollen etwas anders machen, wollen Verhaltensweisen ändern, aber die Hülle, wir selbst, bleiben dieselben Sportmuffel, unsere Suchtneigungen, unsere Grundeinstellungen ändern sich nicht. Und dazu, uns grundsätzlich zu verändern, reicht die Kraft oft nicht.

Passen meine Vorsätze eigentlich zu mir? Oder passe ich mit meiner Art, meinem Lebensstil, meiner Haltung zu dem, wie ich sein möchte?

Jesus sagt: Es ist nicht die Zeit zu Fasten, wenn eine Hochzeit gefeiert wird, nicht solange der Bräutigam da ist. Aber wenn er weg ist, dann ist es Zeit dafür.

Wozu ist heute die Zeit, am Anfang des neuen Jahres?

Die Jahreslosung für 2024 gibt einen Anstoß dazu:

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.“ (1. Korinther 16,14).

Ich will mir diese Losung zur Aufgabe machen. Ich glaube, anders als andere Gute Vorsätze, ist das mehr als neuen Wein in alte Schläuche zu füllen. Ich glaube, mit dem Vorsatz, all mein Tun von Liebe leiten zu lassen, in Liebe geschehen zu lassen, gehe ich nicht nur an meine Gewohnheiten, sondern an mich selbst heran. Es verändert mich und meinen Blick auf das Leben. Ob es mich zu mehr Sport verleitet? Da bin ich unsicher. Aber mehr Freundlichkeit, Dankbarkeit, weniger Vorurteile und – ja – auch mehr Gebet und noch manch anderes Gutes könnte darin verborgen liegen.

Ein frohes Neues Jahr wünscht

Pfarrer Tim Wendorff

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