Adventskalender

20.12.2025 (Sa)

20. Dezember

Der Adventsmoment, den man nicht posten kann

Wenn wir an Advent denken, fällt uns zuerst oft der volle Kalender ein. Weihnachtsfeiern hier, Plätzchenbacken dort, dazu die Frage, ob man wirklich noch einen Glühweinstand besuchen muss – oder ob allein der Gedanke schon reicht. Und zwischendrin versuchen wir irgendwie, „in Adventsstimmung“ zu kommen. Ohne Stress, versteht sich. Das klappt mal mehr, mal weniger.

Doch manchmal stolpern wir – ganz ohne es geplant zu haben – in einen Moment hinein, der sich nach echtem Advent anfühlt.

Zum Beispiel auf einem dieser kleinen Spaziergänge, die wir machen, um kurz durchzuatmen. Mit Musik, Podcast oder Hörbuch auf den Ohren laufen wir durch die Stadt, und plötzlich sind wir mittendrin im vorweihnachtlichen Trubel: Menschen, die mit Einkaufstüten um sich schlagen, weil ihnen auffällt, dass sie doch noch dieses eine Geschenkbrauchen. Andere stehen geduldig am Langos-Stand an, die Schlange reicht bis auf die Straße – und der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln hängt schwer in der Luft.

All das sehen wir – aber hören es kaum. Durch die Kopfhörer bleibt das laute Treiben gedämpft, fast wie in Zeitlupe. Und genau in dieser merkwürdigen Mischung aus Lärm und Stille entsteht er manchmal: dieser kleine Adventsmoment, den man gar nicht fotografieren oder posten kann.

Ein Gefühl von Ruhe mitten im Chaos. Eine Erinnerung daran, dass wir nicht überall mithalten müssen. Dass wir langsamer gehen dürfen, auch wenn alle anderen rennen.

Vielleicht ist es gerade die Anonymität in der Stadt, die uns dabei hilft. Niemand erwartet etwas von uns in diesem Augenblick. Wir beobachten nur, lächeln vielleicht, atmen tief ein und merken: Advent passiert nicht nur in sorgfältig dekorierten Wohnzimmern. Manchmal passiert er in einem ganz normalen Samstagnachmittag, zwischen Menschen, die hetzen, und Düften, die uns für eine Sekunde stehen bleiben lassen.

Und vielleicht ist genau das die Botschaft dieses Moments:
Mitten im Lärm findet Gott einen Weg, uns Stille zu schenken.
Mitten im Gedränge schenkt er uns Raum.
Und mitten im Weihnachtsstress flüstert er: „Du darfst langsam machen.“

Ich wünsche uns allen solche unscheinbaren Adventsaugenblicke – die man nicht posten kann, aber die lange nachklingen.

Ihre
Svea Neumann

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