Adventskalender

10.12.2025 (Mi)

10. Dezember

Ein jegliches hat seine Zeit (Prediger 3,1)

Passt dieser Gedanke überhaupt in die Adventszeit? Wir leben gerade in einer „Hoch“-Zeit mit der Vorbereitung auf Weihnachten und möchten gar nicht so gerne an andere Zeiten ohne Glanz, Geschenke und Geselligkeit denken.

Andersherum ist es oft genauso: Wenn es uns schlecht geht, ist der Gedanke, dass wir auch schöne Zeiten erlebt haben und vielleicht wieder erleben werden, in weiter Ferne. Trauer und Sorgen beherrschen und überwältigen uns.

Der Prediger beschreibt seine Gefühle angesichts von glücklichen und traurigen Zeiten im Leben ganz anders. Ich stelle ihn mir als gelassenen älteren Menschen vor. Er hat schon viel erlebt, politische und private Umbrüche und weiß, dass nichts von Dauer ist. Zu seiner Zeit (drittes oder viertes Jahrhundert vor Christus) war die staatliche Einheit Israels schon lange verloren, stattdessen gab es wechselnde Herren aus dem Ausland. Auch im Schicksal des einzelnen Menschen sieht er keine erkennbare Ordnung wie eine Belohnung oder Bestrafung für die vorangegangenen Taten.

Welchen Schluss zieht er aus dieser Erkenntnis? Resignation und Passivität liegen nahe. Das ist aber nicht der Fall. Er vertraut weiterhin auf Gott und schreibt in Vers 13 im dritten Kapitel, wir sollen essen, trinken und glücklich sein als Ausgleich für unsere Arbeit. Für das Leben des einzelnen Menschen finde ich diesen Ratschlag sehr tröstlich, er kann helfen, gelassener zu werden.

Ein ganz wichtiger Aspekt für eine gelassene Haltung kommt heute noch dazu. Wir kennen auch das Neue Testament mit dem Leben und der Auferstehung Christi und so können wir die Einschätzungen und Ratschläge des Predigers um einen entscheidenden Punkt ergänzen: Der äußere Glanz der Adventszeit und von Weihnachten, der jetzt überall zu sehen ist, wird zwar wieder verschwinden. Die eigentliche Bedeutung von Weihnachten, für die dieser Glanz nur ein Symbol ist, bleibt jedoch bestehen.

Petra Paulokat-Helling

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